Lena T. hat zwei Monate Freiwilligenarbeit im Bereich Reittherapie in Ecuador geleistet. Hier ist ihr Erfahrungsbericht:
„Ich bin vor Abflug mit sehr gemischten Gefühlen am Flughafen gestanden, denn einerseits wusste ich, dass ich in ein sehr armes und von der Kultur völlig fremdes Land fliege, doch andererseits waren an das Projekt doch eher hohe Erwartungen geknüpft, da es eben von einer Deutschen geleitet wird und man dann auch auf deutsche Tugenden, wie Pünktlichkeit und Organisation hofft.
Und die Zeit im Projekt war super, genau nach meinen Vorstellungen!
Einfach weil ich mit meiner Gastfamilie und den Leuten am Projektort einfach totales Glück hatte. Alle waren freundlich, nett und hilfsbereit beim Erlernen und Praktizieren der fremden Sprache. Außerdem habe ich mich im Projekt nie ausgenutzt, sondern respektiert gefühlt, so als ob meine Anwesenheit wirklich eine kleine Hilfe für sie ist.
Da meine Gastfamilie nicht weit weg vom Projekt lebte, ging’s morgens um 7:40 Uhr zu Fuß los, um pünktlich um 8 Uhr an Ort und Stelle zu sein. Auf dem Hof stand dann erst einmal das Versorgen und Vorbereiten der Pferde auf dem Programm. Dazu gehörten das Tränken (keine Angst die Pferde hungern nicht, waren aber um diese Uhrzeit bereits gefüttert), Verteilen (Koppel oder Stall) und Putzen der Pferde. Um 9 Uhr war dann Therapiebeginn. Wir sind nun bei Optimal-Besetzung mit 4 Pferden, an denen je 3 Mitarbeiter beschäftigt sind, bis ca.11Uhr in der Reithalle gewesen, um Kindern mit verschiedensten Behinderungen bzw. Störungen mit der Hippotherapie zu helfen. Jeder Patient hat dabei 5 verschiedene Positionen, deren Dauer (je 2 Runden) und Abfolge genau festgelegt sind, zu absolvieren. Natürlich wird aber auf die individuelle Fähigkeit des Kindes geachtet, so dass auch einmal eine Position ausgelassen oder getauscht wird. Dies alles war dann von uns nach der Therapie zu dokumentieren, damit man die, hoffentlich positive, Entwicklung des Kindes verfolgen kann.
Nach der Therapie erhielten die Pferde ihren wohlverdienten Snack für zwischendurch (Mais) und die Freiwilligen ihre Pause. Wer sich dafür entschied, den Nachmittag im Projekt zu verbringen, begann um 14 Uhr erneut mit der Fütterung der Pferde. Danach war erneutes Putzen und Vorbereiten angesagt, da um 15 Uhr die ersten Reitschüler erschienen. Nun konnten wir wahlweise beim Reitunterricht assistieren, ihn selbst erteilen oder eines der Pferde reiten. So war die Nachmittagsarbeit immer schnell erledigt und wurde um 18 Uhr mit der Abendfütterung abgeschlossen.
Eine der Haupterfahrungen, die ich gesammelt habe, ist das wissen, das Verständigung und Organisation die Arbeit um einiges erleichtern können.
Bei der Projektarbeit selbst war es für mich total faszinierend, die Entwicklungen der jeweiligen Patienten zu verfolgen. Denn an Hand dieser wurde einem dann bewusst, dass man mit seiner Hilfe vor Ort wirklich etwas bewegen kann.
Die meisten Einheimischen waren sehr neugierig und offenherzig. Die Anonymität, die man oft aus deutschen Städten kennt, herrscht dort nicht vor. Man wird auf der Straße gegrüßt und auch sehr schnell in ein freundliches Gespräch verwickelt.
Außerdem ist es jedem zu raten, sich für seinen Aufenthalt eine Gastfamilie zu wählen, da man dort einfach viel mehr über Land und Leute erfährt und natürlich verstärkt auf die fremde Sprache angewiesen ist.
Die Wochenenden wurden natürlich zum Reisen verwendet, um die Vielseitigkeit des Landes kennen und lieben zu lernen. Denn es ist schon beeindruckend, wenn man sich klarmacht, dass man an jenem Wochenende noch auf dem schneebedeckten Cotopaxi stand und am nächsten in der Sonne an der Küste liegt.
Abends ging es dann mit den anderen Freiwilligen, sowie unseren einheimischen Nachbarn los nach Quito, um feiern zu gehen. Wenn aber die ruhigere Variante des Abendprogramm gewählt wurde, trafen wir uns zum Grillen, Fußballspielen oder veranstalteten DVD-Abende.
Also, langweilig wurde es nie!!!
Was war der lustigste/schönste Moment Deines Aufenthalts? (können auch mehrere gewesen sein!)
Zu den lustigsten Momenten meines Aufenthaltes zählen ganz klar die “Familienausflüge” in die ortsansässige Salsotheka. Dann wurden die ganze engere und entferntere Familie und die Nachbarn geschnappt und los ging’s. Es war einfach ein riesen Spaß zu sehen, wie problemlos und ausgelassen jung und alt die Nacht zusammen durchmachen können…..und am nächsten Tag trotzdem ohne zu jammern gewissenhaft ihrer Arbeit nachgehen.
Die Mitarbeiter von Praktikawelten waren vor meiner Abreise für alle meine Fragen offen und haben diese auch zufriedenstellend beantwortet.
Auch vor Ort waren die Mitarbeiter sehr darum bemüht, uns bei allen möglichen Problemen, seien es nun Krankheiten oder Überfälle, zur Seite zu stehen.
Dadurch, dass in dem Projekt zu dieser Zeit etwa 10 weitere Freiwillige waren, durfte ich von diesen eine schnelle und aufschlussreiche Einführung genießen.
Es war absolut das Beste, was ich nach meinem Abitur machen konnte, um die Zeit bis zum Studium zu überbrücken. Natürlich hat mich die Zeit dort weitergebracht und meine Reiselust und das Fernweh geweckt. Für mich steht jetzt schon fest, dass ich auf jeden Fall irgendwann nach Südamerika, sei es nun Ecuador oder eines seiner Nachbarn, zurückkehren werde. Und, da ich mich mit meiner Gastfamilie super verstanden habe (großes Lob an die Auswähler), habe ich auch für die Zukunft schon eine Anlaufstelle gefunden.
Meine Tipps an zukünftige Reisende:
Als erstes: GENIESST eure Zeit im jeweiligen Land, denn sie vergeht viel zu schnell!!!
Lasst eurem Körper ausreichend Zeit sich an die klimatischen und hygienischen Veränderungen zu gewöhnen, aber seid trotzdem nicht zu scheu, um Neues und Ungewohntes auszuprobieren.
Macht euch von vornherein klar, dass eure Improvisationskünste durchaus gefragt werden können……aber das ist ja gerade das Spannende.
Lasst euch von den Taxifahrern bzw. Verkäufern nicht abzocken, sondern sagt ihnen direkt ins Gesicht, dass ihr genau wisst, dass das nun gerade ein Preis für Hellhäutige ist…..natürlich gibt es die von der sturen Sorte, aber ihr werdet merken, dass der Großteil dann doch klein beigibt und den Preis senkt…ob es dann schon das Preisniveau für Einheimische ist, bleibt fraglich, aber ihr zahlt dann immerhin schon mal ein bisschen weniger.”
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